Dattelner Morgenpost Medienhaus Bauer

Pia in Dänemark: Pitschenass zur Meerjungfrau

Pia Friedl 10. Oktober 2018 16:21

  • Teaserbild

    Auf ihrem ersten Trip in die Innenstadt Kopenhagens geht es zuerst zum „Nyhavn“...

  • Teaserbild

    ... danach besuchen Pia und Anna (v.l.) den Strand.

  • Teaserbild

    In ihren neuen vier Wänden hat Pia es sich schon gemütlich eingerichtet und fällt nach den ganzen Erlebnissen glücklich ins Bett.

Teil 2 Der Tag war da. Morgens, um halb vier klingelt der Wecker und um vier Uhr müssen wir losfahren Richtung Flughafen. Um sechs Uhr soll der Flieger in Richtung Kopenhagen starten. Am Flughafen angekommen treffe ich noch Anna. Sie studiert auch an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach und macht auch ein Auslandssemester an UCC. Wir haben uns vor ungefähr einem Monat kennengelernt und da auch beschlossen, zusammen hinzufliegen.

Wir studieren weder in Deutschland noch in Dänemark das gleiche Fach, aber beide im sozialen Bereich. Wir sind sehr aufgeregt, aber froh, nicht alleine fliegen zu müssen. Nachdem die Koffer aufgegeben sind, kommt die Verabschiedung. Obwohl ich weiß, dass ich alle schon in vier Monaten wiedersehen werde, muss ich trotzdem ein bisschen weinen. Sobald wir durch die Sicherheitskontrolle sind, ist die Vorfreude größer als der Abschiedsschmerz.

Um acht landen wir in Kopenhagen. Vom Flughafen aus geht es mit dem Zug weiter. Am Ticketschalter merken wir das erste Mal, dass es nicht so einfach ist, wenn man kein Wort der Landessprache spricht. Die unfreundliche Dame am Ticketschalter glaubt zu wissen, was wir wollen und tippt kurzerhand irgendwas ein, was dann aber völlig falsch ist– wir müssen es umtauschen. Sie dachte, wir wollten ein gemeinsames Ticket, aber Anna und ich haben verschiede Ziele, weshalb uns ein Zweier- Ticket nicht weiterhilft. Anna lebt ein bisschen außerhalb von Kopenhagen in einem Studentenhaus, sodass wir nur das erste Stück mit dem Zug zusammen fahren können.

Große Fenster und tiefe Einblicke

Nachdem Anna ausgestiegen ist, bin ich auf mich alleine gestellt. Aber das Umsteigen funktioniert ohne Probleme – und schon stehe ich vor dem Haus, das die nächsten vier Monate meine Zuhause sein wird. Im oberen Stockwerk angekommen, lerne ich Nicole kennen. Ihr Zimmer werde ich ab Dienstag übernehmen. Sie kommt aus Kanada und ist sehr nett. Ihr Freund wohnt bis Dienstag ebenfalls noch bei uns. Dann zeigt Karsten, mein Vermieter, mir die gesamte Wohnung.

Mein vorübergehendes Zimmer wird normalerweise an Airbnb-Gäste vermietet. Es stehen zwei Betten, ein Regal und ein Spiegeltisch im Zimmer – also alles, was ich die ersten Tage brauche. Da die Fenster groß sind, ist es auch sehr hell und gemütlich. Woran ich mich erst gewöhnen muss, ist die Tatasache, dass ich bei allen Nachbarn in die Wohnungen gucken kann – sowohl aus meinem Zimmer- als auch aus dem Wohnzimmerfenster.

Die Schlussfolgerung daraus ist aber auch, dass alle Nachbarn ebenfalls bei mir in das Zimmer gucken können. Nach der kurzen Wohnungsbesichtigung lasse ich kurz die Augen zufallen, denn die Reise hat mich ziemlich geschlaucht. Mit gutem Wetter schlafe ich ein, wache aber mit einem verhangenen, regnerischen Himmel auf – andersherum wäre es echt besser gewesen. Am Nachmittag will ich dennoch ein bisschen die Wohngegend erkunden. Weit komme ich nicht, denn der Regen durchweicht meine Klamotten nach kurzer Zeit.

Den Abend verbringe ich daraufhin lieber in der warmen Wohnung und plauder etwas mit meiner Mitbewohnerin Yewon, die aus Südkorea kommt. Ab Dienstag werden nur wir beide, Karsten, der Vermieter, alle zwei Wochen seine Tochter und ab und zu noch Vermietungsgäste hier wohnen.

Am nächsten Morgen schreibt Anna mir, dass sie heute mit zwei ihrer Mitbewohner in die Innenstadt fahren werde und danach zum Strand – und ob ich nicht Lust hätte, mitzukommen. Ich schließe mich der Gruppe an, auch wenn wir leider nur eine Stunde durch die Straßen laufen werden, da wir uns danach mit Freunden von Annas Mitbewohnern am Strand treffen wollen. Aber in der kurzen Zeit schaffen wir es bis zu unserem Ziel, dem Hafen „Nyhavn“. Dort stehen viele bunte Häuser und der Blick reicht bis auf das Meer. An dieser Stelle sieht es genauso aus, wie in allen Reiseführern beschrieben und ich finde es wunderschön. Ich werde die Tage auf jeden Fall noch einmal in die Innenstadt fahren, um mir alles genauer ansehen zu können.

Die Leute sind alle sehr nett, freundlich und offen

Am Strand angekommen sind wir ein gutes Dutzend Leute – und bunt gemixt aus verschiedenen Ländern. So müssen wir zwangsweise alle Englisch reden, damit wir uns verstehen. Die Leute sind alle sehr nett, freundlich und offen. Im Sand sitzend lassen wir den Nachmittag verfliegen.

In meinem neuen Zuhause esse ich mit Karsten und Yewon zu Abend. Danach spiele ich mit den beiden noch Rummikub, um Yewon abzulenken, da sie Montag ihren ersten Tag hat und sehr aufgeregt ist. Nächste Woche Sonntag werde ich diejenige sein, die super aufgeregt ist, weil mein erster Tag an der Uni kurz bevor steht …
Heute am dritten Tag regnet es wieder. Deswegen verbringe ich den Großteil des Tages im Haus, aber am Nachmittag treibt es mich dann doch vor die Tür, da ich herausgefunden habe, dass die „Little Mermaid“ nur ein Kilometer von meiner Wohnung entfernt ist. Die kleine Meerjungfrau wurde von Edvard Eriksen 1913 erstellt und ist nach dem gleichnamigen Märchen der Meerjungfrau von Hans Christina Andersen benannt worden. Sie ist trotz ihrer geringen Größe ein wichtiges Wahrzeichen von Dänemark.

Also Regenjacke, dicke Socken und Pullover an – draußen sind es nur 14 Grad. Leider habe ich mich wohl mit der Richtung vertan und bin zuerst in die falsche unterwegs. Als mir das auffällt, bin ich schon komplett nass. Laut Google Maps muss ich 2,8 Kilometer bis zur Skulptur laufen und der Regen scheint nicht weniger zu werden. Aber da die Meerjungfrau mein heutiges Ziel ist, ziehe ich es auch durch.

Als ich endlich da bin, hört es sogar auf zu regnen. Zeitgleich mit mir landet ein Bus voller asiatischer Touristen an der „Little Mermaid“. Alle versuchen – mich eingeschlossen – das perfekte Foto von ihr zu schießen.

Pünktlich zum Antritt des Rückwegs setzt natürlich wieder der Regen ein. Den Rest des Tages werde ich mich definitiv mit einer heißen Tasse Tee und einem guten Buch unter meine Bettdecke kuscheln und hoffen, dass das Wetter morgen besser wird.
Pia Friedl (22, Waltrop) geht für ein Semester nach Kopenhagen. Dort wird sie „Childhood in a Nordic perspective – a Danish setting“ studieren. Pia wohnt mit drei weiteren Studentinnen, dem Vermieter und mit dessen Tochter zusammen. Was sie in ihrem Auslandssemester alles so erlebt, schildert Pia ausführlich bei Scenario.

Teilen