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Peter Perrett: Rückkehr eines Verschollenen

Von Werner Herpell, dpa 17. Juli 2017 06:10

Berlin (dpa) Damit war kaum noch zu rechnen: Peter Perrett, ein lange verschollener Junkie des Punk 'n' Roll, kehrt mit einem erstaunlich starken Album zurück.

Nein, dies ist kein unveröffentlichter Song des vor knapp vier Jahren gestorbenen Lou Reed. Aber «How The West Was Won», der Opener eines unerwarteten Comeback-Albums von Peter Perrett, ist von vergleichbarer Klasse.

Schon der markante Gitarrensound dieses Viereinhalb-Minüters erinnert ungemein an den großen Grantler aus New York. Ebenso die teils sarkastischen, teils beißend witzigen Textzeilen über schmutzige Bomben und «suicide vests», die Hinterteile von Kim Kardashian und Jennifer Lopez, den Massenmord an Indianern und Mexikanern. Und die nasale Stimme des Briten Perrett, dieser coole Sprechgesang, steht ebenfalls weit oben in der Reed-Liga.

«How The West Was Won» ist dann auch - neben «Living In My Head» und «Something In My Brain» - der beste Track des gleichnamigen Albums (Domino/GoodToGo), mit dem der lange schwer drogensüchtige einstige Frontmann der legendären britischen New-Wave-Band The Only Ones auf die große Bühne zurückkehrt. Von 1976 bis 1981 existierte das Quartett, veröffentlichte in dieser Zeit drei reguläre Alben und verschwand bis zu einer kurzen Wiedervereinigung mit einigen Live-Auftritten von der Bildfläche.

«Neben Peter Perrett wirkt selbst Pete Doherty wie der Kinderschokoladen-Junge», so formulierte ein geschätzter Kollege des «Intro»-Magazins den gesundheitsschädlichen Karriereverlauf des heute 65-jährigen Perrett. Leicht verlebt klingen dementsprechend auch seine markanten Vocals, mit denen er aber gelegentlich rührende Liebesbekenntnisse formuliert: «An Epic Story» beispielsweise feiert die Frau, mit der der Musiker trotz aller Krisen und Abstürze seit 48 Jahren (!) zusammen ist. Überhaupt: Der Ex-Punk Perrett kann durchaus auch Balladen.

Das Album ist also gewiss eines der überraschendsten des Jahres, denn dass dieser Kultstar überhaupt noch lebt, hatten auch viele Experten kaum noch auf dem Zettel. «Drogen sind so langweilig», sagt Perrett heute. «Für mich gehen Musik und Drogen überhaupt nicht zusammen. Man muss sich für eins von beiden unterscheiden. Und für mich gibt es von jetzt an nur Musik.» Dass Sohn Jamie als Gitarrist mit einigen coolen Soli seinen Anteil an der hohen Qualität dieser Musik hat, ist eine weitere hübsche Pointe.

All dies lässt erahnen, dass sich der vom Schicksal gegerbte  Brite noch einiges für sein Alterswerk vorgenommen hat. Mit den zehn Liedern von «How The West Was Won» zeigt Peter Perrett, dass er sich seinen Platz in der «Hall of Fame» des Rock 'n' Roll doch noch sichern will. Möglichst nicht allzu weit entfernt von den großen Vorbildern Bob Dylan, Tom Verlaine, Ray Davies - und natürlich Lou Reed.

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